Wissen

03 — Wissen

Was der Berg hergibt

Silber, Blei, Kupfer, Zink — und ein bisschen Gold. Was hier im Fels steckt, welche Gesteine ihn aufbauen und welche Geschichten sich darum ranken.

Die Erze

Was gebrochen wurde

Das Wertvollste steckte nicht im Silber selbst, sondern im Bleiglanz: Aus einer Tonne davon holte man drei bis sechs Kilo Silber. Kupferkies lieferte deutlich weniger, 0,4 bis 1,7 Kilo je Tonne. Gold kam vor, aber fein verteilt in Pyrit und Zinkblende, vor allem im Kreuz-, Elisabeth- und Nikolausstollen.

Kupfergrüne Mineralfarben am Fels
Kupfergrün am Fels — Spuren der Erze
Hauptertrag

Bleiglanz

Bleisulfid, silbrig-metallisch glänzend

3 bis 6 kg Silber je Tonne

Der eigentliche Grund, warum hier gegraben wurde

Nebenertrag

Kupferkies

Messinggelb, oft bunt angelaufen

0,4 bis 1,7 kg Silber je Tonne

Lieferte vor allem Kupfer

Selten

Gold

Fein verteilt in Pyrit und Zinkblende

Kreuz-, Elisabeth- und Nikolausstollen

Nie in Nuggets, immer im Gestein gebunden

Der Fels

Geologie

Der Berg besteht nicht aus einem Stück. Vier Gesteinszonen treffen hier aufeinander, und genau an den Übergängen sitzen die Erzgänge.

Tropfstein- und Sinterbildungen im Stollen
Wasser arbeitet weiter — Sinter im Stollen
Gesteine

Vier Zonen

Brixner Quarzphyllit — Glimmerschiefer, feinblättrig

Klausenit — ein Diorit, dunkel und massig

Feldstein — die Zone, in der die meisten Abbaue liegen

Quarzglimmerschiefer — im östlichen Bereich

Erzgänge

Liegend, Mitter, Hängend

Drei Gänge durchziehen die Lagerstätte.

Bis hinunter zum Georgstollen hat nur der Liegend-Gang wirtschaftliche Bedeutung.

Erst zur Teufe hin entwickeln sich Mitter- und Hängendgang.

Verworfen werden sie durch Auf- und Überschiebungsflächen — die Bergleute nannten sie schlicht Wände.

Mineralienkabinett

Acht Stücke

Eine kleine Auswahl aus dem, was im Berg gefunden wurde. Die Sammlung ist im Museum zu sehen.

M — 01

Bleiglanz

PbS

Würfelig, bleigrau, spiegelnde Spaltflächen. Der Silberträger des Reviers.

M — 02

Kupferkies

CuFeS₂

Messinggelb, oft bunt angelaufen. Lieferte Kupfer und etwas Silber.

M — 03

Zinkblende

ZnS

Braun bis schwarz, harzig glänzend. Trägt fein verteiltes Gold.

M — 04

Pyrit

FeS₂

Katzengold. Würfel mit gestreiften Flächen, oft goldhaltig.

M — 05

Quarz

SiO₂

Das Gangmaterial, in dem die Erze sitzen. Milchig bis klar.

M — 06

Siderit

FeCO₃

Eisenspat, hellbraun, rhomboedrisch. Häufiger Begleiter der Gänge.

M — 07

Fahlerz

(Cu,Fe)₁₂Sb₄S₁₃

Grauschwarz, unscheinbar — kann aber viel Silber enthalten.

M — 08

Malachit

Cu₂CO₃(OH)₂

Leuchtend grün. Entsteht, wo Kupfererz an der Luft verwittert.

Holztrog mit Erzbrocken aus dem Bergwerk
Fundstück — Holztrog mit Erzbrocken
Kupfergrüne und rostrote Mineralfarben am Fels
Mineralfarben im Fels — Kupfer und Eisen

Formeln und Bestimmungen sind noch mit der Vereinssammlung abzugleichen.

Über 75 Mineralarten

Die vollständige Liste

Im Stollennetz sind über 75 Mineralarten nachgewiesen. Die Knappen hatten für manche eigene Namen: Schwarze Zinkblende mit fleckig eingesprengtem Kupferkies hieß Tattermannl-Erz, nach dem Feuersalamander.

Elemente

Gold · Graphit · Kupfer · Schwefel · Silber

Sulfide, Selenide, Telluride

Akanthit · Antimonit · Argentit · Arsenopyrit · Bismuthinit · Boulangerit · Bournonit · Chalkopyrit · Chalkosin · Covellin · Cubanit · Dyskrasit · Freibergit · Galenit · Gudmundit · Heteromorphit · Jamesonit · Markasit · Molybdänit · Polybasit · Pyrargyrit · Pyrit · Pyrrhotin · Sphalerit · Stephanit · Tetraedrit · Vallerit

Halogenide

Fluorit

Oxide und Hydroxide

Anatas · Cuprit · Goethit · Hämatit · Ilmenit · Limonit · Magnetit · Manganomelan · Pleonast · Pyrolusit · Quarz · Rutil · Spinell

Karbonate

Aragonit · Aurichalcit · Azurit · Brianyoungit · Calcit · Chalkophanit · Cerussit · Dolomit · Hydrozinkit · Malachit · Siderit · Smithsonit

Sulfate

Alunit · Anglesit · Anhydrit · Baryt · Beaudantit · Brochantit · Chalkanthit · Coelestin · Cyanotrichit · Gips · Glaukokerinit · Karphosiderit · Langit · Linarit · Melanterit · Namuwit · Natroalunit · Nickelalumit · Plumbojarosit · Posnjakit · Ramsbeckit · Schulenbergit · Serpierit · Siderotil · Woodwardit · Wroewolfeit

Phosphate und Arsenate

Apatit · Erythrin · Mimetesit · Pitticit · Skorodit · Türkis

Silikate

Adular · Albit · Allophan · Andalusit · Apophyllit · Augit · Axinit · Biotit · Chabasit · Chlorit · Chrysokoll · Cordierit · Datolith · Delessit · Diallag · Dravit · Enstatit · Epidot · Granat · Hedenbergit · Hemimorphit · Hornblende · Hypersthen · Kaolinit · Klinochlor · Korund · Mikroklin · Muskovit · Oligoklas · Orthoklas · Pektolith · Plagioklas · Prehnit · Rhipidolith · Schörl · Stilbit · Titanit · Tremolit · Turmalin · Wollastonit · Zirkon

Liste von der alten Website übernommen — vor dem Launch mit der Vereinssammlung abgleichen.

Drei Geschichten aus dem Berg

Zum Schmökern
Geschichte 01

Warum die Knappen die Barbara brauchten

Bergleute arbeiteten im Dunkeln, unter Tonnen von Fels, mit offenem Licht und ohne Rettungswesen. Die heilige Barbara wurde ihre Schutzpatronin — der Legende nach schloss sich ein Fels vor ihr, als sie vor ihrem Vater floh, und gab ihr Schutz.

Am 4. Dezember, ihrem Namenstag, wurde nicht eingefahren. Man feierte stattdessen. Diese Tradition hat das Ende des Bergbaus überlebt: Die Barbarafeier gibt es in Villanders bis heute.

Geschichte 02

Goldenschön und der blaue Norgg

Der Norgg ist ein Zwerg aus den Sagen des Eisacktals — mal hilfreich, mal boshaft, immer da, wo Menschen in den Berg eindringen. Der blaue Norgg soll im Pfunderer Revier gehaust haben, und wer ihn gut behandelte, dem zeigte er, wo das Erz reich war.

Wer ihn ärgerte, fand nichts mehr. So erklärten sich Bergleute, warum ein Gang plötzlich taub wurde. Heute trägt einer der Wanderwege am Berg diesen Namen.

Geschichte 03

Schlägel und Eisen

Bevor es Sprengstoff gab, ging es Millimeter für Millimeter: Ein Bergmann hielt das Eisen — einen Meißel — an den Fels, der andere schlug mit dem Schlägel darauf. Nach jedem Schlag drehte man das Eisen ein Stück weiter.

Ein Meter Strecke im Jahr galt als gute Leistung. Wer heute im Elisabethstollen die handgeschlagenen Seitenstollen sieht, kann ausrechnen, wie viele Jahre in diesen Wänden stecken. Die gekreuzten Werkzeuge wurden zum Zeichen des Bergbaus — und stehen bis heute im Vereinslogo.

Sechzehn Stollen

Höhen und Streckenlängen

Die höhergelegenen Baue sind die älteren. Man arbeitete sich in abnehmender Höhe durch den Berg — eine Besonderheit, die in der Fachliteratur ausdrücklich hervorgehoben wird.

Ältere Baue, mit Schlägel und Eisen geschlagen

StollenMeereshöheStreckenlänge
Fundgrube1436 m50 m
Heilig Kreuz1431 m60 m
Lorenz (Besucherstollen)1368 m1.240 m
Elisabeth (Besucherstollen)1300 m1.670 m
Georg1254 m1.270 m
Matthias1227 m1.670 m
Martin1186 m1.100 m
Nikolaus1177 m1.120 m
Andreas1159 m600 m
Barbara1133 m1.450 m

Jüngere Baue, mit Schwarzpulver getrieben

StollenMeereshöheStreckenlänge
Kassian1078 m1.320 m
Katharina1025 m1.800 m
Theresia965 m1.650 m
Franz (früher Maximilian)915 m650 m
Vittorio (Viktor Emanuel)884 m250 m
Hischlegg843 m160 m

Höhen nach der Vereinstafel, Streckenlängen nach der alten Bergwerksliste. Zusammen rund 25 Kilometer Strecke.

Zwei Dinge, die den Berg erklären

Geologie
Das Problem der Knappen

Querstörungen

Erzadern verschwanden mitten im Vortrieb. Querverschiebungen im Gestein versetzten sie um Meter, und niemand wusste, wohin. Deshalb ist das Stollennetz so verwinkelt: Man suchte die Ader wieder.

Höher und älter

Das Seeberg-Revier

Auf der Villanderer Alm, auf 2.050 Metern, liegt das höchstgelegene Revier — wahrscheinlich älter als das Bergwerk selbst. Dort finden sich ein prähistorischer Schmelzplatz, gemauerte Stolleneingänge und Abräumhalden. Der Bach, der von den drei Bergseen abfließt, heißt bis heute Knappenbach.

Zum Weiterlesen

Literatur

Pošepný, F. (1880): Die Erzlagerstätten am Pfundererberg bei Klausen in Tirol. Archiv für practische Geologie 1, 441–487.

Schnorrer, G. / Verant, K. (1998): Der Bergbau am Pfunderer Berg bei Klausen in Südtirol und seine Minerale. Lapis 23 (2), 13–30.

Exel, R. (1998): Lagerstättenkundliche und montanhistorische Erhebungen über den Erzbergbau in Südtirol. Ber. Geol. Bundesanst. 42.

Mair, V. (1996): Die Kupferbergbaue von Stilfs, Eyrs und Klausen. Der Stoansucher 10 (1), 38–44.

Andergassen, L.: Kirchen in Villanders.

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