Was der Berg hergibt
Silber, Blei, Kupfer, Zink — und ein bisschen Gold. Was hier im Fels steckt, welche Gesteine ihn aufbauen und welche Geschichten sich darum ranken.
Die Erze
Was gebrochen wurdeDas Wertvollste steckte nicht im Silber selbst, sondern im Bleiglanz: Aus einer Tonne davon holte man drei bis sechs Kilo Silber. Kupferkies lieferte deutlich weniger, 0,4 bis 1,7 Kilo je Tonne. Gold kam vor, aber fein verteilt in Pyrit und Zinkblende, vor allem im Kreuz-, Elisabeth- und Nikolausstollen.

Bleiglanz
Bleisulfid, silbrig-metallisch glänzend
3 bis 6 kg Silber je Tonne
Der eigentliche Grund, warum hier gegraben wurde
Kupferkies
Messinggelb, oft bunt angelaufen
0,4 bis 1,7 kg Silber je Tonne
Lieferte vor allem Kupfer
Gold
Fein verteilt in Pyrit und Zinkblende
Kreuz-, Elisabeth- und Nikolausstollen
Nie in Nuggets, immer im Gestein gebunden
Der Fels
GeologieDer Berg besteht nicht aus einem Stück. Vier Gesteinszonen treffen hier aufeinander, und genau an den Übergängen sitzen die Erzgänge.

Vier Zonen
Brixner Quarzphyllit — Glimmerschiefer, feinblättrig
Klausenit — ein Diorit, dunkel und massig
Feldstein — die Zone, in der die meisten Abbaue liegen
Quarzglimmerschiefer — im östlichen Bereich
Liegend, Mitter, Hängend
Drei Gänge durchziehen die Lagerstätte.
Bis hinunter zum Georgstollen hat nur der Liegend-Gang wirtschaftliche Bedeutung.
Erst zur Teufe hin entwickeln sich Mitter- und Hängendgang.
Verworfen werden sie durch Auf- und Überschiebungsflächen — die Bergleute nannten sie schlicht Wände.
Mineralienkabinett
Acht StückeEine kleine Auswahl aus dem, was im Berg gefunden wurde. Die Sammlung ist im Museum zu sehen.
Bleiglanz
PbS
Würfelig, bleigrau, spiegelnde Spaltflächen. Der Silberträger des Reviers.
Kupferkies
CuFeS₂
Messinggelb, oft bunt angelaufen. Lieferte Kupfer und etwas Silber.
Zinkblende
ZnS
Braun bis schwarz, harzig glänzend. Trägt fein verteiltes Gold.
Pyrit
FeS₂
Katzengold. Würfel mit gestreiften Flächen, oft goldhaltig.
Quarz
SiO₂
Das Gangmaterial, in dem die Erze sitzen. Milchig bis klar.
Siderit
FeCO₃
Eisenspat, hellbraun, rhomboedrisch. Häufiger Begleiter der Gänge.
Fahlerz
(Cu,Fe)₁₂Sb₄S₁₃
Grauschwarz, unscheinbar — kann aber viel Silber enthalten.
Malachit
Cu₂CO₃(OH)₂
Leuchtend grün. Entsteht, wo Kupfererz an der Luft verwittert.


Formeln und Bestimmungen sind noch mit der Vereinssammlung abzugleichen.
Über 75 Mineralarten
Die vollständige ListeIm Stollennetz sind über 75 Mineralarten nachgewiesen. Die Knappen hatten für manche eigene Namen: Schwarze Zinkblende mit fleckig eingesprengtem Kupferkies hieß Tattermannl-Erz, nach dem Feuersalamander.
Gold · Graphit · Kupfer · Schwefel · Silber
Akanthit · Antimonit · Argentit · Arsenopyrit · Bismuthinit · Boulangerit · Bournonit · Chalkopyrit · Chalkosin · Covellin · Cubanit · Dyskrasit · Freibergit · Galenit · Gudmundit · Heteromorphit · Jamesonit · Markasit · Molybdänit · Polybasit · Pyrargyrit · Pyrit · Pyrrhotin · Sphalerit · Stephanit · Tetraedrit · Vallerit
Fluorit
Anatas · Cuprit · Goethit · Hämatit · Ilmenit · Limonit · Magnetit · Manganomelan · Pleonast · Pyrolusit · Quarz · Rutil · Spinell
Aragonit · Aurichalcit · Azurit · Brianyoungit · Calcit · Chalkophanit · Cerussit · Dolomit · Hydrozinkit · Malachit · Siderit · Smithsonit
Alunit · Anglesit · Anhydrit · Baryt · Beaudantit · Brochantit · Chalkanthit · Coelestin · Cyanotrichit · Gips · Glaukokerinit · Karphosiderit · Langit · Linarit · Melanterit · Namuwit · Natroalunit · Nickelalumit · Plumbojarosit · Posnjakit · Ramsbeckit · Schulenbergit · Serpierit · Siderotil · Woodwardit · Wroewolfeit
Apatit · Erythrin · Mimetesit · Pitticit · Skorodit · Türkis
Adular · Albit · Allophan · Andalusit · Apophyllit · Augit · Axinit · Biotit · Chabasit · Chlorit · Chrysokoll · Cordierit · Datolith · Delessit · Diallag · Dravit · Enstatit · Epidot · Granat · Hedenbergit · Hemimorphit · Hornblende · Hypersthen · Kaolinit · Klinochlor · Korund · Mikroklin · Muskovit · Oligoklas · Orthoklas · Pektolith · Plagioklas · Prehnit · Rhipidolith · Schörl · Stilbit · Titanit · Tremolit · Turmalin · Wollastonit · Zirkon
Liste von der alten Website übernommen — vor dem Launch mit der Vereinssammlung abgleichen.
Drei Geschichten aus dem Berg
Zum SchmökernWarum die Knappen die Barbara brauchten
Bergleute arbeiteten im Dunkeln, unter Tonnen von Fels, mit offenem Licht und ohne Rettungswesen. Die heilige Barbara wurde ihre Schutzpatronin — der Legende nach schloss sich ein Fels vor ihr, als sie vor ihrem Vater floh, und gab ihr Schutz.
Am 4. Dezember, ihrem Namenstag, wurde nicht eingefahren. Man feierte stattdessen. Diese Tradition hat das Ende des Bergbaus überlebt: Die Barbarafeier gibt es in Villanders bis heute.
Goldenschön und der blaue Norgg
Der Norgg ist ein Zwerg aus den Sagen des Eisacktals — mal hilfreich, mal boshaft, immer da, wo Menschen in den Berg eindringen. Der blaue Norgg soll im Pfunderer Revier gehaust haben, und wer ihn gut behandelte, dem zeigte er, wo das Erz reich war.
Wer ihn ärgerte, fand nichts mehr. So erklärten sich Bergleute, warum ein Gang plötzlich taub wurde. Heute trägt einer der Wanderwege am Berg diesen Namen.
Schlägel und Eisen
Bevor es Sprengstoff gab, ging es Millimeter für Millimeter: Ein Bergmann hielt das Eisen — einen Meißel — an den Fels, der andere schlug mit dem Schlägel darauf. Nach jedem Schlag drehte man das Eisen ein Stück weiter.
Ein Meter Strecke im Jahr galt als gute Leistung. Wer heute im Elisabethstollen die handgeschlagenen Seitenstollen sieht, kann ausrechnen, wie viele Jahre in diesen Wänden stecken. Die gekreuzten Werkzeuge wurden zum Zeichen des Bergbaus — und stehen bis heute im Vereinslogo.
Sechzehn Stollen
Höhen und StreckenlängenDie höhergelegenen Baue sind die älteren. Man arbeitete sich in abnehmender Höhe durch den Berg — eine Besonderheit, die in der Fachliteratur ausdrücklich hervorgehoben wird.
Ältere Baue, mit Schlägel und Eisen geschlagen
| Stollen | Meereshöhe | Streckenlänge |
|---|---|---|
| Fundgrube | 1436 m | 50 m |
| Heilig Kreuz | 1431 m | 60 m |
| Lorenz (Besucherstollen) | 1368 m | 1.240 m |
| Elisabeth (Besucherstollen) | 1300 m | 1.670 m |
| Georg | 1254 m | 1.270 m |
| Matthias | 1227 m | 1.670 m |
| Martin | 1186 m | 1.100 m |
| Nikolaus | 1177 m | 1.120 m |
| Andreas | 1159 m | 600 m |
| Barbara | 1133 m | 1.450 m |
Jüngere Baue, mit Schwarzpulver getrieben
| Stollen | Meereshöhe | Streckenlänge |
|---|---|---|
| Kassian | 1078 m | 1.320 m |
| Katharina | 1025 m | 1.800 m |
| Theresia | 965 m | 1.650 m |
| Franz (früher Maximilian) | 915 m | 650 m |
| Vittorio (Viktor Emanuel) | 884 m | 250 m |
| Hischlegg | 843 m | 160 m |
Höhen nach der Vereinstafel, Streckenlängen nach der alten Bergwerksliste. Zusammen rund 25 Kilometer Strecke.
Zwei Dinge, die den Berg erklären
GeologieQuerstörungen
Erzadern verschwanden mitten im Vortrieb. Querverschiebungen im Gestein versetzten sie um Meter, und niemand wusste, wohin. Deshalb ist das Stollennetz so verwinkelt: Man suchte die Ader wieder.
Das Seeberg-Revier
Auf der Villanderer Alm, auf 2.050 Metern, liegt das höchstgelegene Revier — wahrscheinlich älter als das Bergwerk selbst. Dort finden sich ein prähistorischer Schmelzplatz, gemauerte Stolleneingänge und Abräumhalden. Der Bach, der von den drei Bergseen abfließt, heißt bis heute Knappenbach.
Zum Weiterlesen
LiteraturPošepný, F. (1880): Die Erzlagerstätten am Pfundererberg bei Klausen in Tirol. Archiv für practische Geologie 1, 441–487.
Schnorrer, G. / Verant, K. (1998): Der Bergbau am Pfunderer Berg bei Klausen in Südtirol und seine Minerale. Lapis 23 (2), 13–30.
Exel, R. (1998): Lagerstättenkundliche und montanhistorische Erhebungen über den Erzbergbau in Südtirol. Ber. Geol. Bundesanst. 42.
Mair, V. (1996): Die Kupferbergbaue von Stilfs, Eyrs und Klausen. Der Stoansucher 10 (1), 38–44.
Andergassen, L.: Kirchen in Villanders.
